Stellungnahme von natur&ëmwelt a.s.b.l. zum Cluster „Bësch an Holz“

Wir erlauben uns hiermit, Ihnen nachfolgend unsere Ideen und Überlegungen zum geplanten Cluster „Bësch an Holz" zu unterbreiten und hoffen, dass die eine oder andere davon in das Projekt einfließen wird.

Zuerst möchten wir darauf hinweisen, dass uns – als Naturschutzvereinigung – besonders die ökologischen Aspekte interessieren und am Herzen liegen. Das will nicht heißen, dass wir uns gegen eine wirtschaftliche Nutzung der Wälder aussprechen, aber wir sind der Meinung, dass diese nur erfolgen darf unter gleichzeitiger Berücksichtigung sowohl ökonomischer, ökologischer als auch sozialer Kriterien. In öffentlichen Wäldern müsste sogar den beiden letztgenannten Bereichen eine unbestreitbare Vorrangstellung gegenüber wirtschaftlichen Überlegungen zukommen, besonders weil dies in über 50% unserer Wälder (Privatbesitz) nicht oder nur nebenbei der Fall ist!

Die folgenden Aspekte scheinen uns daher besonders wichtig, wenn es darum geht, Ausrichtung und Mission des zukünftigen „Cluster forêt-bois" festzulegen:

 

a)     Bereich: Holzhandel

Als ein nachwachsender Rohstoff, der lokal bzw. regional produziert und verarbeitet werden kann (kurze Transportwege, Schaffung bzw. Erhalt von Arbeitsplätzen, …) und zudem sehr vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bietet, ist Holz ein in vielerlei Hinsicht ein ideales Material.

Die aktuell betriebene Verkaufspolitik erscheint uns für die Aufrechterhaltung lokaler und regionaler Verarbeitungsstrukturen jedoch wenig förderlich und sogar kontraproduktiv. Wenn unsere Informationen stimmen, wird derzeit ein großer Teil unseres Holzes (nicht nur aus dem Privatwald, sondern auch aus Staats- und Gemeindewäldern, wozu uns leider aus Luxemburg keine präzisen Zahlen vorliegen) ins Ausland verkauft. Vor allem China tritt als großer Käufer auf (z. B. 40% der jährlichen französischen Holzproduktion – Quelle: Le monde diplomatique, octobre 2016), was angesichts der gebotenen (und gestiegenen) Preise eine Menge Geld in die Kassen der Waldbesitzer spült. Da der Holzhunger der asiatischen Länder in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen wird, sieht die Zukunft in der Großregion für Betriebe, die Holz verarbeiten, ziemlich ungewiss aus, und das aus zwei Gründen:

Lokale und regionale Sägereien und Schreinereien sehen ihre Versorgung mit Holz zu „erschwinglichen" Preisen zunehmend in Gefahr, da sie bei den von der Konkurrenz gebotenen Summen nicht mithalten können. Dies hat in der Großregion bereits zur Stilllegung von Sägereien geführt (und somit der Verlust von Arbeitsplätzen) bringt aber auch, als weitere Konsequenz, für die verbleibenden Betriebe Probleme bei der Beschaffung von Holz zur Weiterverarbeitung. „Les fabricants français de meubles, parquets, cuisines et huisseries ont dû s´approvisionner en bois transformé auprès de scieurs étrangers, et ce à des prix plus élevés." (Quelle: Le monde diplomatique, octobre 2016). Eine Aufgabe des „Cluster" müsste demnach sein, weiterhin die lokale/regionale Versorgung mit dem Rohstoff Holz (in den verschiedenen Formen) sicherzustellen.

Ein weiteres Problem ist der Export ganzer Stämme, so dass auch hier die lokalen/regionalen Sägewerke „kurzgeschlossen" werden und überhaupt nicht an der Verarbeitung beteiligt sind. Die Weiterverarbeitung und somit die Wertschöpfung erfolgen im Ausland, so dass logischerweise auch der so erarbeitete Gewinn dort verbleibt und unsere Betriebe in diesem Bereich leer ausgehen. Von einer Wertschöpfungskette mit Vorteilen für eine ganze Reihe lokaler/regionaler Betriebe, wie es im Idealfall sein sollte, kann überhaupt keine Rede sein.

Hier geht ganz klar der Profit für die eine Seite (Waldbesitzer, die zugegebenermaßen lange Zeit überhaupt keine Gewinne einstecken konnten) mit Verlusten für die andere Seite (Holzverarbeiter) einher. Die Frage muss gestellt werden, ob man „die freie Marktwirtschaft" gewähren lässt, mit all den Konsequenzen, die das für den Wirtschaftsbereich Wald (im weitesten Sinne) bereits hat und noch weiterhin haben wird, oder ob man regulierend eingreifen muss. Eine mögliche Maßnahme wäre ein Verbot, Baumstämme als Ganzes zu exportieren, wie es bereits in verschiedenen Ländern besteht (Deutschland, Gabun, Bhutan – Quelle: Le monde diplomatique, octobre 2016). Es ist im Grunde nicht nachvollziehbar, wieso hochindustrialisierte europäische Länder einen wertvollen Rohstoff in unbehandelter Form zum Verkauf anbieten.

 

b)     Bereich: Holz in der Konstruktion

Da dieses Gebiet eigentlich nicht in den Kompetenzbereich einer Naturschutzvereinigung fällt, überlassen wir es gerne den Spezialisten, entsprechende Vorschläge zu unterbreiten. Dennoch erlauben wir uns hierzu folgende Bemerkungen:

Ein vermehrter Einsatz von Holz im Baubereich wird sich gegenüber der Konkurrenz anderer Materialien wie Beton und Metall behaupten müssen. Dies wird nicht nur eine Preisfrage sein, sondern auch eine Frage der technischen Eigenschaften. In diesem letzten Bereich wurden in den vergangenen Jahren bedeutende Fortschritte erzielt, vor allem was tragende Konstruktionen betrifft. Eine weitere Forschung wäre jedenfalls sinnvoll und unterstützungswert, auch um zu verhindern, dass die bei manchen Verfahren eingesetzten Klebstoffe die ökologischen Vorteile des Naturbaustoffes Holz zunichtemachen. Die Rolle der derzeit vorgeschriebenen Ausschreibungsverfahren bzw. anderer gesetzlicher Vorschriften (z. B. Brandschutz) ist ebenfalls zu überprüfen und die entsprechende Gesetzgebung eventuell anzupassen. 

Auch die folgenden Aspekte verdienen Berücksichtigung:

Laubhölzer kommen derzeit im Konstruktionsbereich nur wenig zum Einsatz. Wie weit hier Forschungsbedarf besteht, können wir nicht beurteilen und auch nicht, wie sinnvoll bzw. technisch machbar eine solche Nutzung wäre. Da aber Laubwälder einen Großteil unserer (vor allem öffentlichen) Wälder ausmachen, wären zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten sicherlich von Interesse. Es wäre nicht nur schade, sondern auch wirtschaftlich nicht zu vertreten, unsere Laubhölzer überwiegend zu Heizzwecken oder sonst wie zur Energiegewinnung einzusetzen.

Eng damit verbunden ist die Frage nach der zukünftigen Zusammensetzung unserer Wälder. Auch wenn wir der Fichte eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung nicht absprechen können, müssen wir als Naturschutzvereinigung doch darauf hinweisen, dass diese Baumart auf vielen Standorten ökologisch bedenklich oder manchmal sogar fehl am Platz ist. Nachteile oder Probleme werden ignoriert oder in Kauf genommen; was zählt sind ausschließlich wirtschaftliche Gründe. Wie bereits einleitend erwähnt, ist für uns ein Gleichgewicht zwischen den drei Aspekten Ökonomie, Ökologie und Soziales sehr wichtig. Gerade hier müssten hier die öffentlichen Wälder mehr noch als bisher eine Vorbildfunktion übernehmen.

Als große Unbekannte muss derzeit auch der sich abzeichnende Klimawandel angesehen werden. Zwar kann niemand mit Sicherheit sagen, wie unsere Wälder in 30, 50 oder gar 100 Jahren aussehen werden, auf die Fichte dürften jedoch wegen ihres großen Wasserbedarfs erhebliche Probleme zukommen. Umso wichtiger ist es, um nicht ganz auf Importe angewiesen zu sein - und das bei einer Bewaldungsrate von über 30% - nicht nur verstärkt auf Laubholz zu setzen, sondern auch diesbezüglich die Forschung zu intensivieren.

 

c)      Bereich: Abbau von CO2

Es ist unbestritten, dass Wälder eine wichtige Rolle beim Abbau von CO2 durch Aufnahme und Speicherung von Kohlenstoff  spielen, wobei bekanntlich gleichzeitig Sauerstoff freigesetzt wird. Was auf den ersten Blick so einfach aussieht, ist in Wirklichkeit eine ziemlich komplizierte Angelegenheit. Kohlenstoff wird übrigens nicht nur in der Biomasse der Bäume, sondern auch im Totholz und im (Mineral)boden gespeichert.

Während junge Wälder sich durch eine hohe Aufnahmefähigkeit auszeichnen, also viel CO2 verarbeiten (man spricht vom Wald als CO2-Senke), nehmen ältere Wälder im Laufe der Jahre zwar nach und nach weniger CO2 auf, punkten aber mit der hohen Menge des in den Bäumen, im Totholz und im Boden in Form von Biomasse gebundenen Kohlenstoffs.

Ist also die derzeit so stark in Umsetzung begriffene „Verjüngung" unserer Wälder zwar nicht die Lösung, so doch ein (unseren Verhältnissen entsprechender) nennenswerter Beitrag zur Verringerung der CO2-Problematik? Nicht unbedingt, denn es wird jedenfalls eine (sehr) lange Zeit brauchen, bis die jungen Bäume wieder die gleiche Menge an Kohlenstoff gespeichert haben werden wie das bei den alten Bäumen der Fall war. Ist die Umtriebszeit niedrig oder wird sie aus wirtschaftlichen Überlegungen sogar herabgesetzt, bedeutet dies, dass das Potenzial des Waldes als Kohlenstoffspeicher nur teilweise genutzt wird.

Außerdem wird bei der Holzentnahme der „Speicher" geleert (bei Kahlschlag total, bei selektiver Entnahme immerhin teilweise), zusätzlich wird CO2 freigesetzt durch den Abbau der im Wald verbliebenen Äste und Kronenteile, besonders aber bei Kahlschlag durch eine verstärkte Aktivität der Bodenlebewesen auf der nun dem Licht und der Wärme ausgesetzten freien Fläche.

Wie wichtig die CO2 Reduzierung auch sein mag, sie ist nur eine von vielen Aufgaben, die wir dem Wald abverlangen und auch sie muss im Einklang mit den übrigen Zielen stehen. Es kann also auch nicht sein, dass versucht wird, die Anpflanzung z. B. von Fichten oder Douglasien damit zu rechtfertigen, dass sie mehr CO2 aufnehmen würden als andere Baumarten.

Es geht darum, einen Weg zu finden, bei dem wir weder in einen „Verjüngungswahn" verfallen noch alle unsere Wälder in Urwälder zurückverwandeln wollen.

Eine wirklich nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder wird von uns nicht in Frage gestellt, aber Waldbewirtschaftung so darzustellen, als sei sie unter allen Umständen eine „Wohltat" für den Wald und absolut unerlässlich für eine effiziente CO2 Reduzierung, ist sicherlich nicht korrekt, weil zu einseitig und zu undifferenziert.

Noch ein Wort zur Kohlenstoff-Speicherung in verarbeitetem Holz, z. B. in Möbeln, Türen, Fenstern, Fußböden, Dachgebälk oder Gebäuden in Holzbauweise. Diese Langzeit-Speicherung ist jedenfalls begrüßenswert, auch wenn ihr Einfluss in der Gesamtbilanz schwer abzuschätzen ist, und verdient uneingeschränkte Förderung.

 

Zusatzbemerkung: Dass unsere Wälder überaltert seien, können wir als Naturschutzvereinigung so nicht gelten lassen. Laut „La forêt luxembourgeoise en chiffres", Erhebungen 1998-2000, waren damals im öffentlichen Wald 21,5 % der Buchen über 140 Jahre alt (über 160 Jahre hatten gerade mal 3,1 %); bei den Eichen waren 10 % mehr als 160 Jahre alt. Angesichts des möglichen Höchstalters dieser Baumarten – Buche: 300-400 Jahre; Eiche etwa 800 Jahre – handelt es sich bei den stattlichen Bäumen in unseren Wäldern demnach eher um „Jünglinge" oder bestenfalls um „Bäume im besten Alter"! Hinzu kommt, dass ältere Wälder als Lebensraum für eine ganze Reihe von Tier- und Pflanzenarten unerlässlich sind. Im Stangenholz können sie nicht überleben! Wobei wir wieder beim Gleichgewicht zwischen den einzelnen Funktionen des Waldes sind. Wir warnen vor einer einseitigen Fokussierung auf den Wald als Kohlenstoffspeicher, da wir der Meinung sind, dass die verschiedenen Aufgaben des Ökosystems Wald als gleichwertig zu behandeln sind.

 

Kockelscheuer, den 3. November 2016

 

 


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