Stellungnahme von natur&ëmwelt a.s.b.l. zur Aktualisierung der Potenzialanalyse für Erneuerbare Energie in Luxemburg

Nachdem das Wirtschaftsministerium die Aktualisierung der Potenzialanalyse für Erneuerbare Energie vorgestellt hat, nimmt natur&ëmwelt in einem Brief an den Wirtschaftsminister dazu Stellung. Erneuerbare Energien können nur wirklich nachhaltig sind, wenn sie nicht zu Lasten der biologischen Vielfalt gehen.

 


Sehr geehrter Herr Minister,

natur&ëmwelt bedankt sich für die Einladung zum Arbeitstreffen zur Aktualisierung der Potenzialanalyse für Erneuerbare Energie am 18. Januar 2016. Unsere Organisation hat sich seit jeher für den Ausbau von erneuerbaren Energien eingesetzt. Allerdings darf ein solcher Ausbau nicht auf Kosten des Naturschutzes geschehen sondern muss auch die Biodiversität nachhaltig schützen.

Anbei finden Sie einige der Punkte, welche von natur&ëmwelt als besonders wichtig empfunden werden, in den vorgestellten Studien und Arbeitsdokumenten aber nur unzureichend adressiert bzw. komplett vernachlässigt werden.

So wird insgesamt die Möglichkeit des Energiesparens in dieser Studie nicht berücksichtigt. Hier liegt unseres Erachtens aber ein nicht zu verachtendes Potenzial in puncto Nachhaltigkeit: ehe man produziert, sollte man sparen.

Die für die Windkraft dargestellte Potenzialanalyse scheint allzu sehr vereinfacht und wird den heutigen Ansprüchen an den Natur- und Biodiversitätsschutz nicht gerecht. So werden, beispielsweise die grundlegenden Annahmen zur Abschätzung des theoretischen und des technischen Potenzials der Stromerzeugung aus den vorliegenden Potenzialschätzungen aus dem Jahr 2007 (ISI/EEG/BSR 2007) übernommen. Diese Annahme berücksichtigt jedoch weder die Ausweisung neuer Vogelschutzgebiete, noch die seitdem stark gestiegene Rolle des Naturschutzes. Das genannte Potenzial und die damit verbundenen Ziele sind somit überbewertet, teilweise sogar irreführend für die weiteren Berechnungen und Zielsetzungen in der Potenzialstudie.

Des Weiteren bemängelt natur&ëmwelt, dass Vertreter des Naturschutzes – insbesondere des Vogel- und Fledermausschutzes – bei der Ausweisung von neuen Windkraftanlagen nicht bereits frühzeitig in die Planungen eingebunden werden und Impaktstudien oft nur unzureichend durchgeführt werden. Beispielhaft für dieses Vorgehen ist der Windpark bei Weiler/Hachiville, welcher aus Sicht des Vogelschutzes (insbesondere Rotmilanschutz) nicht hätte genehmigt werden dürfen. Weitere Anlagen, wie zum Beispiel in Differdingen und Redange scheinen bereits fest in die Berechnungen mit eingeplant zu sein, obwohl bis dato noch nicht einmal die nötigen Impaktstudien durchgeführt wurden.

Das Potenzial der energetischen Nutzung von Biomasse – insbesondere aus Energie-, Alt- und Totholz – ist in Luxemburg sicherlich nicht zu verweisen. Nichtsdestotrotz darf auch hier der Naturschutz nicht vernachlässigt werden. Viele Wälder Luxemburgs sind durch einen hohen Altholzanteil und geringe Nutzungsintensität geprägt. Oftmals sind genau diese Waldmassive auch durch eine besonders hohe Biodiversität sowie Vorkommen von besonders störungsempfindlichen Arten wie Schwarzstorch, Habicht, Mittel- und Schwarzspecht gekennzeichnet. Eine uneingeschränkte Nutzung genau dieser Wälder wäre verheerend. Demnach ist es unabdingbar, dass alle Akteure (Wirtschaft, Naturschutz, Waldbesitzer, usw.) gemeinsam ein Konzept ausarbeiten, welches den Anforderungen an eine nachhaltige Waldnutzung gerecht wird.

natur&ëmwelt bedauert zutiefst, dass auch in Zukunft vermehrt auf die Nutzung von Energiepflanzen gesetzt werden soll. Der Energieaufwand zur Erzeugung dieser „erneuerbaren Energie" wird nur unzureichend berücksichtigt. Zudem sind der Anbau von Energiepflanzen und die damit verbundene intensive Landwirtschaft oftmals nicht vereinbar mit den Zielen des Naturschutzes.

Die Relevanz der „kleinen Wasserkraft" wird in Luxemburg vergleichsweise immer klein bleiben. Im Zuge von Gewässerrenaturierungen und dem Abbau von Wanderhindernissen für Fische, wäre ein vermehrter Ausbau bestehender Anlagen eher konträr zu den Zielen der Wasserrahmenrichtlinie, welche die Durchgängigkeit der Gewässer anstrebt.

Der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen wird in der vorliegenden Studie nicht zurückbehalten. Allerdings wäre diese Form der Nutzung, insbesondere in Quellschutzgebieten, womöglich eine Alternative zu den existierenden Bewirtschaftungsformen.

Fazit ist, dass Erneuerbare Energien nur wirklich nachhaltig sind, wenn sie nicht zu Lasten der biologischen Vielfalt gehen.

Wir hoffen sehr - und hierzu bieten wir Ihnen unsere volle Unterstützung an -, dass im Rahmen des Ausbaus von erneuerbaren Energien, die Belange des Naturschutzes ausreichend beachtet werden.

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Hochachtungsvoll,

Roby Biwer, Präsident


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